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Bürgermeisterbrief September/Oktober/November 2010

Im Olympiabüro, aber auch bei den Bürgermeistern und der Verwaltung sind in den letzten Wochen viele Fragen von interessierten Bürgerinnen und Bürgern zur gemeinsamen Bewerbung um die Olympischen Spiele und Paralympics 2018 mit München und dem Berchtesgadener Land eingegangen, die wir hier beantworten möchten.

Welche neuen Sportstätten muss Garmisch-Partenkirchen errichten, sollten die Olympischen Winterspiele und Paralympics zu uns kommen?

Unser Ort punktet mit einem für die Alpinen Skiweltmeisterschaften 2011 top ausgebauten Skigebiet und einer neuen K125-Schanze - es ist daher verständlich, dass hier keine weiteren Investitionen notwendig sind. Der Markt muss nur eine neue K90-Schanze (als Ersatz für die bestehende mittlere K80) errichten, was den Löwenanteil der Kosten ausmacht und einen wertvollen Beitrag zur Nachwuchsförderung im Skispringen leistet. Die übrigen Investitionen sind dauerhafte Baumaßnahmen am Hang im Bereich Olympia-Skistadion und Hausberg zur Ausrichtung der Buckelpisten-, Snowboard-, Skicross- und Aerials-Wettbewerbe, da man einen Hang nicht vorher umbaut und im Anschluss wieder rückbaut. Diese Hangverbauungen werden dem Markt nach aktuellen Kostenschätzungen in Summe jedoch weniger als eine Million Euro kosten. Für die Sportstätten wurde uns von Bund und Freistaat eine Zweidrittelförderung zugesagt, die Höhe der Zuschüsse wird von einem vorher durchzuführenden Realisierungswettbewerb abhängig sein. Für Mehrkosten, die vom Markt nicht zu vertreten sind, wurde ebenfalls eine Zweidrittelförderung zugesagt. Weitere Sportstätten - wie beispielsweise die Halfpipe - werden nicht dauerhaft errichtet und damit auch nicht vom Markt bezahlt. Die Kosten für temporäre Maßnahmen trägt das Organisationskomitee, dessen Budget sich aus Sponsorengeldern, dem Ticketverkauf etc. zusammensetzt. Im Bid Book garantiert der Markt Garmisch-Partenkirchen nur einzelne, dezidierte Projekte wie oben beschrieben und gibt keine „Blankoschecks“.

Was wird für die Olympischen Spiele und Paralympics in die Infrastruktur investiert?

Weitere spezifischen Kosten außer den oben genannten gibt es nicht, da der in den Planungen enthaltene Ausbau der St.-Martin-Straße im Zuge der Anbindung an den im Bau befindlichen Kramertunnel ohnehin - also mit oder ohne Olympischen Winterspiele und Paralympics - kommen wird. Für diese Maßnahme erhält der Markt Garmisch-Partenkirchen zudem eine 50%ige Förderung des Bundes.  Es ist zudem geplant den Bahnübergang Klammstraße für die Olympischen Spiele sowie zur besseren Erschließung der Kochelbergsiedlung zu ertüchtigen. Auch das Umweltprojekt „Nachhaltiges Garmisch-Partenkirchen“, das bereits einstimmig vom Marktgemeinderat beschlossen wurde, wird unabhängig von der Bewerbung umgesetzt.

Wer trägt die Kosten für die übrigen örtlichen Maßnahmen?

Der Wanktunnel sowie die Ortsumfahrungen von Oberau und der teilweise zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke München - Garmisch-Partenkirchen wird vom Bund getragen. Die für diese Maßnahmen erforderlichen Mittel werden aber nur im Falle eines Zuschlags im Juli 2011 zeitnah freigegeben, also „ohne Olympia - keine Tunnel“ bis 2018. Alles was mit der Ausrichtung und Durchführung der Olympischen und Paralympischen Spiele, inklusive aller temporären Wohnmodule und Baumaßnahmen, zu tun hat,  wird durch das noch zu gründende Organisationskomitee (OCOG) getragen. Sollte es in diesem Budget ein Defizit geben, zahlt der Markt Garmisch-Partenkirchen keinen Cent zu, da dieses anteilig von Bund, Freistaat und Landeshauptstadt München getragen wird.

Wird das Eissportzentrum abgerissen?

Das Eissportzentrum wird allein für die Olympischen Winterspiele und Paralympics 2018 nicht abgerissen. Soweit die bestehenden Hallen für Olympische Winterspiele benötigt werden, wird eine Instandsetzung unter maßgeblicher Beteiligung des Freistaates angestrebt.

Was ist mit dem Alpspitz-Wellenbad und der Sportstraße?

Das Bad als Teil des Snow Villages bleibt erhalten, ein Ausbau der Sportstraße zwischen Wildenauer Straße und Bahnübergang Kreuzeckbahnstraße war nie geplant und wird auch nicht kommen.

Wie viele neue Wohneinheiten entstünden bei einer erfolgreichen Bewerbung?

Derzeit sind rund 100 Wohneinheiten am Wannerweg geplant, wobei die Hälfte in Bahnnähe eher dem Bereich „Wohnen und Arbeiten“ zuzuordnen sind, während der Rest aufgrund der ruhigeren Lage auch familiengerecht ausgebaut werden kann.

Wo werden die Medienvertreter übernachten und arbeiten?

Das Media Village wird auf mehrere Standorte (u.a. Mühlanger, Patton-Areal etc.) ohne landwirtschaftliche Flächen verteilt sein. Weitere amerikanische Liegenschaften wie die Artillerie-Kaserne oder das Lazarett können nicht in Anspruch genommen werden, da diese nicht leerstehen, sondern von den Amerikanern, die hier arbeiten, bewohnt sind.
Im Sub Media Center werden die Medienschaffenden arbeiten - dieses soll auf der im Eigentum des Freistaates befindlichen Bowling Area in unmittelbarer Nähe des Snow Villages entstehen. Als nacholympische Nutzung hat das Bayerische Kabinett hierfür ein Zentrum für Nachhaltigkeit beschlossen.

 

Wird der Grüngürtel von Garmisch-Partenkirchen erhalten?

In der jüngsten Sommerklausur des Marktgemeinderates waren sich alle Fraktionen einig, dass für die Olympischen Winterspiele und Paralympics keine weiteren Baugebiete für die Olympischen Winterspiele und Paralympics mehr ausgewiesen werden sollen.  Es soll daher noch ein Grundsatzbeschluss zum Erhalt des Grüngürtels im Zusammenhang mit der Bewerbung gefasst werden.

In den Verträgen, die die Bewerbungsgesellschaft München 2018 zu den temporären Grundstücksflächen  abschließt, ist der Rückbau und die Wiederherstellung des IST-Zustandes - Dank der Unterstützung des Freistaates und des Bauernverbandes - vertraglich garantiert. Unabhängige Gutachter werden den ursprünglichen Zustand dokumentieren. Auch Stadionbauten sind an den Sportstäten nur temporär und werden nach den Wettkämpfen wieder zu Grünland rückgebaut. Dies soll zudem in einem Olympiagesetz durch den Freistaat Bayern festgeschrieben und garantiert werden.

Was kann getan werden, damit die neuen Gebäude das Ortsbild nicht negativ prägen?

Der Deutsche Werkbund, der einen hohen Anspruch an Qualität in der Bebauung pflegt, seine Mitarbeit und Unterstützung zugesagt und wird in die laufenden Planungen eingebunden.

Wird Garmisch-Partenkirchen zur Dauerbaustelle?

Alle temporären Anlagen sind gemietet und die Grundeigentümer werden entschädigt, also ist eine möglichst kurze Nutzung mit entsprechenden schnellen Auf- und Abbauzeiten auch aus finanziellen Gründen seitens des Organisationskomitees angestrebt. Dauerhaftes entsteht im Wesentlichen auf der Bahnbrache, die es unbedingt – auch unabhängig von den Olympischen Winterspielen und Paralympics – zu entwickeln gilt.

Wird die örtliche Landwirtschaft einen unwiederbringlichen Schaden nehmen?

Für die Olympischen Winterspiele und Paralympics würden rund 1% der landwirtschaftlichen Gesamtflächen des Ortes vorübergehend benötigt. Davon betroffene Grundeigentümer sollen für die Ausfallzeit Alternativflächen zur Sicherung des landwirtschaftlichen Betriebs bekommen. Zusätzlich erhalten alle Betroffenen eine Pacht und eine Ernteausfallentschädigung. Die Renaturierung und Rekultivierung der temporär genutzten landwirtschaftlichen Flächen wird von der Bayerischen Staatsregierung garantiert. Diese Garantie soll zusätzlich durch ein Olympiagesetz verankert werden.

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