Garmisch-Partenkirchen 1936

IV. Olympische Winterspiele

"Kehrseite der Medaille"

Erinnern

Spätes Erinnern
Deutsche Sprachauswahl English language selection

Das Erinnern nicht vergessen

„WER VOR DER VERGANGENHEIT DIE AUGEN VERSCHLIESST, IST BLIND FÜR DIE GEGENWART“.
(Richard von Weizsäcker, Bundespräsident 1984 – 1994)

Je weiter ein historisches Geschehnis von der Gegenwart entfernt liegt, umso stärker erlischt das Erinnern an die Einzelheiten der Ereignisse, ganz gleich welcher Art sie gewesen sind. Doch im Laufe der Jahrtausende unserer Menschheitsgeschichte gibt es kaum ein Erlebnis in der Vergangenheit, dass die Menschen derart wie einen Schatten verfolgt, als die Zeit des Nationalsozialismus.

Zwischen dem 6. und 16. Februar 1936 – fanden in Garmisch-Partenkirchen die IV. Olympischen Winterspiele statt. Die Faszination, die von den Wintersportarten schon damals ausging, nutzten die Nationalsozialisten allerdings ausschließlich für sich und ihre Ziele. Eine nahezu perfekte Organisation, Logistik und Wettkampfgestaltung, eine Fülle von neuen Bauten und aufwendigen Wettkampfstätten taten das ihre, um das Bild eines friedlichen Deutschland zu illustrieren.

Die Unterdrückung der politischen Gegner, die Drangsalierungen, Demütigungen und Entrechtungen der deutschen Juden, gingen ebenso unvermindert weiter, wie die hinter der sportlichen Fassade vorangetriebene Aufrüstung und Militarisierung des Landes.

Die Geschichte der Olympischen Winterspiele von 1936 und der nicht stattgefundenen von 1940 in Garmisch-Partenkirchen können als Vorboten der Katastrophe angesehen werden. Und auch die Geschichte der Erinnerung daran ist katastrophal.

Zunächst tauchten schöne Bilder des Wintersports auf, Erinnerungen an große sportliche Leistungen von Maxi Herber und Ernst Baier wurden gepflegt – hinter die Kulissen wollte lange Zeit in Garmisch-Partenkirchen kaum einer schauen. Auch bei den Jubiläumsterminen 1986 und 1996 nicht. Und 2006 wurde lediglich bei Führungen näher darauf eingegangen.

Dann kam die FIS Alpine Skiweltmeisterschaft 2011 nach Garmisch-Partenkirchen, fast zeitgleich mit dem 75. Jubiläum der IV. Olympischen Winterspiele 1936. Von da an wagte der Ort den Blick in die olympische Vergangenheit. Zunächst einmal mit der Ausstellung „Kehrseite der Medaille“ parallel zur Alpinen Ski-WM im Kurhaus Garmisch, vom BMI und dem DSV in Auftrag gegeben und finanziert.

Die Dauerausstellung im Olympia-Skistadion „IV. Olympische Winterspiele Garmisch-Partenkirchen 1936 – Die Kehrseite der Medaille“, die sich genau dieser Aufarbeitung des Themas widmet, ist aktuell eingelagert und wird überarbeitet. Die Dokumentation zur Ausstellung „Kehrseite der Medaille“ ist im OnlineShop von Gapa-Tourismus sowie in den örtlichen Buchhandlungen erhältlich. Ein virtueller Rundgang ist hier möglich.

BR 2 – Feuilleton Podcast
Olympiaplakat-Werbung 1936
Olympiaplakat-Werbung 1936
Olympia-Skistadion 1936
Olympiaplakat-Werbung 1936
Olympiaplakat-Werbung 1936
Olympia-Skistadion 1936
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Das Erinnern nicht vergessen

„WER VOR DER VERGANGENHEIT DIE AUGEN VERSCHLIESST, IST BLIND FÜR DIE GEGENWART“.
(Richard von Weizsäcker, Bundespräsident 1984 – 1994)

Je weiter ein historisches Geschehnis von der Gegenwart entfernt liegt, umso stärker erlischt das Erinnern an die Einzelheiten der Ereignisse, ganz gleich welcher Art sie gewesen sind. Doch im Laufe der Jahrtausende unserer Menschheitsgeschichte gibt es kaum ein Erlebnis in der Vergangenheit, dass die Menschen derart wie einen Schatten verfolgt, als die Zeit des Nationalsozialismus.

Zwischen dem 6. und 16. Februar 1936 – fanden in Garmisch-Partenkirchen die IV. Olympischen Winterspiele statt. Die Faszination, die von den Wintersportarten schon damals ausging, nutzten die Nationalsozialisten allerdings ausschließlich für sich und ihre Ziele. Eine nahezu perfekte Organisation, Logistik und Wettkampfgestaltung, eine Fülle von neuen Bauten und aufwendigen Wettkampfstätten taten das ihre, um das Bild eines friedlichen Deutschland zu illustrieren.

Die Unterdrückung der politischen Gegner, die Drangsalierungen, Demütigungen und Entrechtungen der deutschen Juden, gingen ebenso unvermindert weiter, wie die hinter der sportlichen Fassade vorangetriebene Aufrüstung und Militarisierung des Landes.

Die Geschichte der Olympischen Winterspiele von 1936 und der nicht stattgefundenen von 1940 in Garmisch-Partenkirchen können als Vorboten der Katastrophe angesehen werden. Und auch die Geschichte der Erinnerung daran ist katastrophal.

Zunächst tauchten schöne Bilder des Wintersports auf, Erinnerungen an große sportliche Leistungen von Maxi Herber und Ernst Baier wurden gepflegt – hinter die Kulissen wollte lange Zeit in Garmisch-Partenkirchen kaum einer schauen. Auch bei den Jubiläumsterminen 1986 und 1996 nicht. Und 2006 wurde lediglich bei Führungen näher darauf eingegangen.

Dann kam die FIS Alpine Skiweltmeisterschaft 2011 nach Garmisch-Partenkirchen, fast zeitgleich mit dem 75. Jubiläum der IV. Olympischen Winterspiele 1936. Von da an wagte der Ort den Blick in die olympische Vergangenheit. Zunächst einmal mit der Ausstellung „Kehrseite der Medaille“ parallel zur Alpinen Ski-WM im Kurhaus Garmisch, vom BMI und dem DSV in Auftrag gegeben und finanziert.

Die Dauerausstellung im Olympia-Skistadion „IV. Olympische Winterspiele Garmisch-Partenkirchen 1936 – Die Kehrseite der Medaille“, die sich genau dieser Aufarbeitung des Themas widmet, ist aktuell eingelagert und wird überarbeitet. Die Dokumentation zur Ausstellung „Kehrseite der Medaille“ ist im OnlineShop von Gapa-Tourismus sowie in den örtlichen Buchhandlungen erhältlich. Ein virtueller Rundgang ist hier möglich.

BR 2 – Feuilleton Podcast

Bewerbung

Zwangsvereinigung 1. Januar 1935
Blick auf Garmisch-Partenkirchen
Blick auf Garmisch-Partenkirchen
Olympia-Austragungsorte von 1936
Blick auf Garmisch-Partenkirchen
Blick auf Garmisch-Partenkirchen
Olympia-Austragungsorte von 1936
Deutsche Sprachauswahl English language selection

Die Vorbereitung und Vergabe der Olympischen Winterspiele

Im Mai 1931 wurden die Olympischen Sommerspiele 1936 vom IOC an Berlin vergeben. Verbunden mit dieser Vergabe war das Recht des deutschen Gastgebers, den Austragungsort für die IV. Olympischen Winterspiele zu bestimmen. Daraufhin entbrannte zwischen den deutschen Wintersportzentren Garmisch, Partenkirchen, Schierke, Feldberg, Oberhof und Schreiberhau ein vorolympischer Wettkampf um die Ausrichtung der Winterspiele. Garmisch und Partenkirchen galten dabei von Anfang an als Favoriten.
Die Bürgermeister der Gemeinden Garmisch und Partenkirchen, die Sportvereine, die Bayerische Zugspitzbahn, der Bezirksamtmann, die Industrie- und Handelskammer, die Landeshauptstadt und das Bayerische Staatsministerium für Finanzen rückten die sportlichen, organisatorischen und klimatischen Vorzüge der Märkte Garmisch und Partenkirchen ins rechte Licht.

Im Zuge der Vorbereitungen für das sportliche Großereignis wurden die beiden Märkten zum 1. Januar 1935 gegen den Widerstand der Marktgemeinderäte aus Garmisch, die sich nur beugten, da ihnen Innenminister Wagner die Einweisung in das KZ in Dachau androhte, zum Markt Garmisch-Partenkirchen zusammengelegt. Mehr dazu finden Sie unter diesem Link.

„Jugend der Welt“ II – offizieller Film, IV. Olympische Winterspiele Garmisch-Partenkirchen 1936, hergestellt im Auftrag der Reichspropagandaleitung der NSDAP, aus dem Bundesarchiv Berlin

Bau

6 Olympia-Bauten in Rekordzeit

Sportstätten

Bis zum Beginn der Spiele wurden in Rekordzeit das Olympia Skistadion mit der Großen Olympiaschanze (auch Austragungsort für die Eröffnungs- und Schlussfeier sowie Start und Ziel für die Langlaufwettbewerbe) sowie das Olympia-Kunsteisstadion erbaut. Für die erstmals bei Olympischen Winterspielen in das Programm genommene Alpine Kombination wurde der Gudiberg für die Slaloms und das Kreuzeck für die Abfahrten ausgewählt. Eisschnelllauf- und Demonstrations-Eisschieß-Wettbewerbe sowie die Bobrennen fanden auf bzw. am Rießersee statt.
28 Nationen, 756 Teilnehmer, 17 Disziplinen und leider 2.937 Erste-Hilfe-Leistungen stellten neue Superlative auf. Vor allem der Schlusstag mit dem Spezialsprunglauf vor ca. 130.000 Zuschauern und der Schlusszeremonie mit Verleihung der Medaillen in sämtlichen Wettbewerben wird als Rekord bestehen bleiben.

 

 

Olympia-Skistadion
Olympia-Skistadion
Olympia-Eisstadion 1936
Olympia-Skistadion
Olympia-Skistadion
Olympia-Eisstadion 1936

Sportstätten

Bis zum Beginn der Spiele wurden in Rekordzeit das Olympia Skistadion mit der Großen Olympiaschanze (auch Austragungsort für die Eröffnungs- und Schlussfeier sowie Start und Ziel für die Langlaufwettbewerbe) sowie das Olympia-Kunsteisstadion erbaut. Für die erstmals bei Olympischen Winterspielen in das Programm genommene Alpine Kombination wurde der Gudiberg für die Slaloms und das Kreuzeck für die Abfahrten ausgewählt. Eisschnelllauf- und Demonstrations-Eisschieß-Wettbewerbe sowie die Bobrennen fanden auf bzw. am Rießersee statt.
28 Nationen, 756 Teilnehmer, 17 Disziplinen und leider 2.937 Erste-Hilfe-Leistungen stellten neue Superlative auf. Vor allem der Schlusstag mit dem Spezialsprunglauf vor ca. 130.000 Zuschauern und der Schlusszeremonie mit Verleihung der Medaillen in sämtlichen Wettbewerben wird als Rekord bestehen bleiben.

 

 

1936

Viele internationale Neuheiten
Presse bei der Berichterstattung
Presse bei der Berichterstattung
Kameramann bei Filmaufnahmen
Presse bei der Berichterstattung
Presse bei der Berichterstattung
Kameramann bei Filmaufnahmen

Eröffnung

Die IV. Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen wurden am 06. Februar um 11 Uhr im Olympia-Skistadion vor ca. 20.000 Zuschauern von Reichskanzler Adolf Hitler eröffnet. Der Ablauf wurde vom Olympischen Komitee festgelegt. Nach dem Einmarsch der Athleten hielt Ritter von Halt eine Begrüßungsrede. In dieser betonte er ausdrücklich die Friedensbotschaft der Winterspiele.
Insgesamt nahmen 28 Nationen an den Olympischen Spielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen teil. Dies entsprach einem neuen Rekord. Die Sportler kämpften in insgesamt acht Sportarten um die Medaillen. Außerdem gab es zwei Vorführwettbewerbe, das Eisschießen und einen Militär-Ski-Patrouillen-Lauf, hier wurden jedoch keine offiziellen Medaillen vergeben. Zum ersten Mal wurde die Disziplin Alpine Kombination bestehend aus einem Abfahrtslauf und zwei Slalomdurchgängen an einem olympischen Wettbewerb gezeigt. Insgesamt sahen sich rund 619.00 Zuschauer verteilt auf zehn Wettkampftage die IV. Olympischen an.

 

Sport: Zahlen und Fakten

Aus Garmisch-Partenkirchen berichteten insgesamt 403 Journalisten aus 29 Ländern in ihre Heimatländer. Für sie wurden eigene Tribünen an den Sportstätten errichtet. Außerdem wurde ein Pressepostamt und ein eigener Schreibdienst eingerichtet. International neu waren unteranderem die Live -Berichte des Rundfunks. Hierfür wurden zehn feste Übertragungsorte an den verschiedenen Sportstätten und fünf mobile Übertragungswagen eingerichtet. Insgesamt waren 49 Rundfunksprecher aus dem In- und Ausland anwesend. Allein in Deutschland wurden 66 Funkberichte mit einer Gesamtsendezeit von über 65 Stunden übertragen. Ins Ausland gingen 201 Sendungen mit 236 Stunden Sendezeit.

CNN – Video über die Olympischen Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen

Politik

Sinneswandel nach der Machtergreifung

Der olympische Gedanke

Der Agitator Hitler und seine ideologischen Helfer verfolgten mit dem Sport ganz andere Ziele als die Organisatoren der Olympischen Spiele. Zumindest bis 1933 diente der Sport den Nationalsozialisten vor allem dazu, den auch militärisch nutzbaren „Angriffsgeist“ und die Kampfbereitschaft auszubilden. Disziplinierung und Drill, eine hohe Leistungsbereitschaft und Ertüchtigung sollten den männlichen Körper für den kommenden Krieg „stählen“. Die olympische Idee hingegen galt als „jüdisch-pazifistisches“ Teufelszeug, das auf eine „Verweichlichung“ und Schwächung Deutschlands und der Deutschen abzielte.

Erst mit der „Machtergreifung“ kam der Sinneswandel: Der neu gewählte Reichskanzler Adolf Hitler und sein Reichsminister für „Volksaufklärung und Propaganda“, wie das für Joseph Goebbels neu geschaffene Ministerium hieß, nutzten die Möglichkeiten der innen- und außenpolitischen Selbstdarstellung. Friedensbekundungen im gleichsam olympischen Kleid eigneten sich hervorragend, die praktisch sofort einsetzende Aufrüstung zu tarnen und das geschönte Bild eines „neuen Deutschland“ zu entwerfen.

Auch die Bevölkerung in Garmisch-Partenkirchen sollte daran mitwirken. Es galt, die Besucher aus aller Welt von der deutschen Friedensliebe zu überzeugen und den eventuell vorhandenen Eindruck einer barbarischen Diktatur zu korrigieren.

Mitschnitt Audioguide Nationalsozialismus in GAP – Präsentation 27.01. OBB
Das Olympia-Eisstadion
Das Olympia-Eisstadion
Olympia-Skistadion
Das Olympia-Eisstadion
Das Olympia-Eisstadion
Olympia-Skistadion

Der olympische Gedanke

Der Agitator Hitler und seine ideologischen Helfer verfolgten mit dem Sport ganz andere Ziele als die Organisatoren der Olympischen Spiele. Zumindest bis 1933 diente der Sport den Nationalsozialisten vor allem dazu, den auch militärisch nutzbaren „Angriffsgeist“ und die Kampfbereitschaft auszubilden. Disziplinierung und Drill, eine hohe Leistungsbereitschaft und Ertüchtigung sollten den männlichen Körper für den kommenden Krieg „stählen“. Die olympische Idee hingegen galt als „jüdisch-pazifistisches“ Teufelszeug, das auf eine „Verweichlichung“ und Schwächung Deutschlands und der Deutschen abzielte.

Erst mit der „Machtergreifung“ kam der Sinneswandel: Der neu gewählte Reichskanzler Adolf Hitler und sein Reichsminister für „Volksaufklärung und Propaganda“, wie das für Joseph Goebbels neu geschaffene Ministerium hieß, nutzten die Möglichkeiten der innen- und außenpolitischen Selbstdarstellung. Friedensbekundungen im gleichsam olympischen Kleid eigneten sich hervorragend, die praktisch sofort einsetzende Aufrüstung zu tarnen und das geschönte Bild eines „neuen Deutschland“ zu entwerfen.

Auch die Bevölkerung in Garmisch-Partenkirchen sollte daran mitwirken. Es galt, die Besucher aus aller Welt von der deutschen Friedensliebe zu überzeugen und den eventuell vorhandenen Eindruck einer barbarischen Diktatur zu korrigieren.

Mitschnitt Audioguide Nationalsozialismus in GAP – Präsentation 27.01. OBB

Antisemitismus

Stigmatisierung jüdischer Bürgerinnen und Bürger
Verkehrsschilder
Verkehrsschilder
Verbotsschild für Juden
Verkehrsschilder
Verkehrsschilder
Verbotsschild für Juden

„Juden unerwünscht“

Jüdische Kurgäste waren im Werdenfelser Land schon vor 1933 Ziel massiver nationalsozialistischer Angriffe. Nach dem 30. Januar 1933 setzte sich der offen zur Schau gestellte Antisemitismus ungehemmt fort. In Garmisch und in Partenkirchen geben Gemeinderatsbeschlüsse eine Flut antijüdischer Schilder und Tafeln namentlich im Olympiavorbereitungsjahr 1935 davon ein beredtes Zeugnis.

Die Niederlassung jüdischer Bürger sollte mit Hilfe von Maklern, Architekten und Vermietern eingeschränkt und verhindert werden. Diverse Lokalzeitungen forcierten gezielt die antijüdische Stimmungsmache, der Kreisleiter der NSDAP heizte sie zusätzlich an. Die Hetzschrift „Der Stürmer“ – herausgegeben vom Gauleiter in Franken, Julius Streicher – brachte ihren vulgären Antisemitismus durch sogenannte „Stürmer-Kästen“, die auch in Garmisch und Partenkirchen angebracht wurden, unters Volk. Es handelte sich dabei um Schaukästen, in denen die jeweils aktuellen Ausgaben des Periodikums zum Aushang kamen. Die für die Vorbereitung der Winterspiele 1936 verantwortlichen Funktionäre in Deutschland registrierten all dies – und auch den verheerenden Eindruck, den diese Geschehnisse zu Recht in der internationalen Öffentlichkeit hinterließen. Die Spiele bzw. deren Vergabe nach Deutschland schienen dadurch gefährdet. Das hinderte die Funktionäre freilich nicht daran, ihren Antisemitismus offen zu praktizieren. So ließ der deutsche OK-Präsident Ritter von Halt die Baracken für sein Organisationskomitee ohne viele Federlesen auf einem Grundstück des jüdischen Bürgers Markus Friediger errichten. Und der Generalsekretär Peter le Fort lehnte den Verkauf des offiziellen Festabzeichens der Winterspiele durch jüdische Firmen „unter allen Umständen“ ab.

Wie ein Damoklesschwert hingen die Drohungen, die olympischen Spiele angesichts anhaltender Stigmatisierung der deutschen Juden in ein anderes Land zu verlegen über den Häuptern der Verantwortlichen. In dieser Lage, in der die Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen gefährdet schienen, griffen hohe NS-Funktionäre persönlich ein. Im Januar 1936 wurden einschlägige Anordnungen, Weisungen und Befehle erlassen, woraufhin die schändlichen Schilder für die Dauer der Wettkämpfe verschwanden.

Medien

Rundfunk und Presse wurden ihrer Freiheiten beraubt

Propaganda

Die Winterspiele galten als Probelauf für die aus Hitlers Sicht ungleich wichtigeren Sommerspiele in Berlin. Diesem galten Propaganda und Machtdemonstration vor Ort in erster Linie. 500 Journalisten aus 29 Ländern berichteten zumeist positiv für die internationale Presse – und trugen damit in nicht unerheblichem Maße zum Propagandaerfolg bei. Ein erster Olympiafilm im Auftrag des Reichspropagandaministeriums verbreitete bewegte Bilder von großartigen sportlichen Ereignissen und von begeisterten Besuchermassen. Es war dieser Eindruck, der bei vielen Menschen haften blieb.

 

Werbung

Das offizielle Plakat für die Olympischen Winterspiele 1936 wurde schon im Jahre 1934 veröffentlicht. Bis heute gibt es ein Rätselraten um die ausgestreckte Hand des Skiläufers. Offiziell erklärt wurde die Geste nie, so bleibt viel Interpretationsspielraum.

Das offizielle Werbeplakat
„Jugend der Welt“ I – offizieller Film, IV. Olympische Winterspiele Garmisch-Partenkirchen 1936, hergestellt im Auftrag der Reichspropagandaleitung der NSDAP, aus dem Bundesarchiv Berlin
Offizielles Werbeplakat der Olympischen Winterspiele
Offizielles Werbeplakat der Olympischen Winterspiele
Besuchermassen während der Olympischen Spiele
Offizielles Werbeplakat der Olympischen Winterspiele
Offizielles Werbeplakat der Olympischen Winterspiele
Besuchermassen während der Olympischen Spiele

Propaganda

Die Winterspiele galten als Probelauf für die aus Hitlers Sicht ungleich wichtigeren Sommerspiele in Berlin. Diesem galten Propaganda und Machtdemonstration vor Ort in erster Linie. 500 Journalisten aus 29 Ländern berichteten zumeist positiv für die internationale Presse – und trugen damit in nicht unerheblichem Maße zum Propagandaerfolg bei. Ein erster Olympiafilm im Auftrag des Reichspropagandaministeriums verbreitete bewegte Bilder von großartigen sportlichen Ereignissen und von begeisterten Besuchermassen. Es war dieser Eindruck, der bei vielen Menschen haften blieb.

 

Werbung

Das offizielle Plakat für die Olympischen Winterspiele 1936 wurde schon im Jahre 1934 veröffentlicht. Bis heute gibt es ein Rätselraten um die ausgestreckte Hand des Skiläufers. Offiziell erklärt wurde die Geste nie, so bleibt viel Interpretationsspielraum.

„Jugend der Welt“ I – offizieller Film, IV. Olympische Winterspiele Garmisch-Partenkirchen 1936, hergestellt im Auftrag der Reichspropagandaleitung der NSDAP, aus dem Bundesarchiv Berlin

Boykott

Schöner Schein verdeckt die hässlichen Seiten
Adolf Hitler am Schlusstag der IV. Olympischen Winterspiele
Adolf Hitler am Schlusstag der IV. Olympischen Winterspiele
Einmarsch der Nationen bei der Eröffnungsfeier
Adolf Hitler am Schlusstag der IV. Olympischen Winterspiele
Adolf Hitler am Schlusstag der IV. Olympischen Winterspiele
Einmarsch der Nationen bei der Eröffnungsfeier

Boykottgedanken (Nicht alle ließen sich täuschen)

Den Nationalsozialisten ist es 1936 gelungen, vielen Menschen etwas vorzugaukeln. Der schöne Schein der sportlichen Ereignisse verdeckte die hässlichen Seiten der Diktatur – die Kampagne gegen jüdische Bürger und Sportler, die Vorbereitung des Krieges, die barbarische Unterdrückung der Gegner in Kirchen, Parteien und Gewerkschaften, die Verachtung für die Würde des Menschen. Doch nicht alle ließen sich täuschen. Am Tag vor der Eröffnung der Winterspiele erschien im „Pariser Tageblatt“ unter der Schlagzeile „Trägheit der Hirne“ ein kritischer Kommentar, der nach dem Scheitern der internationalen Boykottbemühungen noch einmal hervorhob, wie unüberbrückbar groß die Kluft zwischen den Zielen der olympischen und der nationalsozialistischen Bewegung war. Auch einige Teilnehmer der Olympischen Winterspiele waren Teil der Boykottbewegung. Das wohl größte Zeichen setzte wohl der jüdische Bobfahrer Philippe de Rothschild auch Frankreich. Dieser entscheid sich bewusst gegen eine Teilnahme an den Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen und setzte damit ein Zeichen gegen die Diskriminierung jüdischer Sportler.

Innerhalb des Deutschen Reiches war es schwieriger, sich darüber klar zu werden, warum die Nazis die von ihnen jahrelang geschmähte olympische Idee 1936 mit doppelt großartigem Pomp inszenierten. Umso bedeutungsvoller erscheinen die Ausnahmen – wie etwa die des noch im April 1945 von den Nazis ermordeten Albrecht Haushofer. Die Gedichte, welche während seiner Haft schrieb wurden unter dem Titel „Moabiter Sonette“ publiziert.  Dort ist zu lesen, dass ihm die Olympischen Spiele von 1936 wie ein Menetekel, das von der Vernichtung der Jugend im bevorstehenden Krieg kündete, vorkamen.

1940

IOC stimmt Olympischen Winterspielen 1940 zu

Die letzte internationale Olympiade

Die Möglichkeit zur Neuauflage einer politischen Propagandaschau in sportlicher Kulisse bot sich den Nationalsozialisten im Sommer 1939. Hatte das IOC 1933 die „strengste Beachtung der olympischen Gesetze“ gefordert, so war sechs Jahre später davon keine Rede mehr. Das höchste olympische Gremium lieferte gleichsam die V. Olympischen Winterspiele 1940 der deutschen Diktatur bedingungslos aus.

Im Juli 1938 musste das japanische Sapporo die V. Olympischen Winterspiele von 1940 an das IOC zurückgeben, weil es sich im Krieg mit China befand. Die IOC-Statuten aber sahen vor, die Spiele nicht in kriegführenden Ländern stattfinden zu lassen. Die norwegische Hauptstadt Oslo folgte als Kandidat, kam aber nicht zum Zug. Das schweizerische St. Moritz bot sich an, scheiterte aber im Juni 1939 an der Frage der Skiwettbewerbe.

Der Weg war frei für Garmisch-Partenkirchen: Am 9. Juni 1939 entschied das IOC, am 20. Juni gab Hitler die Weisung zur Durchführung. Dafür stellte er den führenden deutschen Sportfunktionären schier grenzenlose Mittel zur Verfügung.

Weder der Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund noch die Nürnberger Rassengesetze, weder die Ereignisse der „Reichspogromnacht“ noch der Einmarsch der Wehrmacht in Prag wurden vom IOC als hinderlich für seine – einstimmige – Entscheidung angesehen. Auch nicht die international bekannten Errichtungen der Konzentrationslager in Dachau, Buchenwald, Sachsenhausen oder Mauthausen konnten das IOC umstimmen.

Die V. Olympischen Winterspiele 1940 wurden aufgrund des Kriegsausbruchs nicht durchgeführt.

Offizielles Plakat für die olympischen Winterspiele 1940
Offizielles Plakat für die olympischen Winterspiele 1940
Offizielles Plakat für die olympischen Winterspiele 1940
Offizielles Plakat für die olympischen Winterspiele 1940

Die letzte internationale Olympiade

Die Möglichkeit zur Neuauflage einer politischen Propagandaschau in sportlicher Kulisse bot sich den Nationalsozialisten im Sommer 1939. Hatte das IOC 1933 die „strengste Beachtung der olympischen Gesetze“ gefordert, so war sechs Jahre später davon keine Rede mehr. Das höchste olympische Gremium lieferte gleichsam die V. Olympischen Winterspiele 1940 der deutschen Diktatur bedingungslos aus.

Im Juli 1938 musste das japanische Sapporo die V. Olympischen Winterspiele von 1940 an das IOC zurückgeben, weil es sich im Krieg mit China befand. Die IOC-Statuten aber sahen vor, die Spiele nicht in kriegführenden Ländern stattfinden zu lassen. Die norwegische Hauptstadt Oslo folgte als Kandidat, kam aber nicht zum Zug. Das schweizerische St. Moritz bot sich an, scheiterte aber im Juni 1939 an der Frage der Skiwettbewerbe.

Der Weg war frei für Garmisch-Partenkirchen: Am 9. Juni 1939 entschied das IOC, am 20. Juni gab Hitler die Weisung zur Durchführung. Dafür stellte er den führenden deutschen Sportfunktionären schier grenzenlose Mittel zur Verfügung.

Weder der Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund noch die Nürnberger Rassengesetze, weder die Ereignisse der „Reichspogromnacht“ noch der Einmarsch der Wehrmacht in Prag wurden vom IOC als hinderlich für seine – einstimmige – Entscheidung angesehen. Auch nicht die international bekannten Errichtungen der Konzentrationslager in Dachau, Buchenwald, Sachsenhausen oder Mauthausen konnten das IOC umstimmen.

Die V. Olympischen Winterspiele 1940 wurden aufgrund des Kriegsausbruchs nicht durchgeführt.

Verzeichnis

Abkürzungen:
FIS = Fédération Internationale de Ski (Internationaler Skiverband)
WM = Weltmeisterschaft
BMI = Bundesministerium des Inneren und für Heimat
DSV = Deutscher Skiverband
IOC = International Olympic Committee (Internationales Olympisches Komitee)
KZ = Konzentrationslager
NSDAP = Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei
deutsches OK = Nationales Olympisches Komitee
NS = Nationalsozialismus

Literatur:
2016, Josef Ostler, Peter Schwarz, Alois Schwarzmüller, Franz Wörndle, Die Kehrseite der Medaille. IV. Olympische Winterspiele Garmisch-Partenkirchen 1936. Dokumentation zur Dauerausstellung in Garmisch-Partenkirchen. Den Link zum Onlineshop von GaPa Tourismus finden Sie hier.

Internetseiten:
www.gapgeschichte.de
www.historisches-lexikon-bayerns.de

Bilder:
Marktarchiv Markt Garmisch-Partenkirchen

Filme:
„Jugend der Welt“ offizieller Film, IV. Olympische Winterspiele, Garmisch-Partenkirchen 1936, hergestellt im Auftrag der Reichspropagandaleitung der NSDAP, 32 min, Bundesarchiv Berlin
CNN – Filmdokumentation zu den Olympischen Winterspielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen aus dem Jahr 2019, 3 min




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